Jul 092018
 

Sonntag nachmittags, ich bin im Garten und versorge meine durstigen Pflanzen, da tönen mit einem Mal fremdartige Klänge an mein Ohr. Rhytmische Trommeln und der etwas quäkende Klang einer türkischen Schalmei, der Zurna. Wo kommt das her, mitten im bayrischen Schwaben? Ach ja, wir hatten vorher, auf der Rückkehr von einem Flohmarkt festlich geschmückte Autos und Menschen gesehen, vermutlich eine Hochzeit.

Ich hole meine Kamera und wir laufen los um die folkloristische Überraschung in unserer Nachbarschaft zu suchen. Schon bald stoßen wir auf eine fröhliche Menschenansammlung, geschmückt mit türkischen Fahnen. Überall fröhliche Gesichter und wir warten mit einigen anderen Zaungästen, auf das Erscheinen des Brautpaares.
Doch leider findet sich auch ein anderer Zaungast ein. Ein alter Herr erscheint mit seinem Fahrrad um sich sogleich lautstark bei uns zu erkundigen, was das denn für ein Lärm sei. „Die haben doch einen Vogel, am Sonntag so einen Lärm zu machen, und die Frauen – wie die rumlaufen…“ Offenbar erwartet er von uns Zustimmung, aber wir antworten ihm „bei uns wird auch an Sonntagen geheiratet und die türkischen Frauen in ihren bunten Festtagskleidern sehen doch echt hübsch aus.“ Vorgeblich wegen der besseren Sicht rücken wir von ihm ab, wir wollen nicht mit so einem Griesgram in Verbindung gebracht werden. Außerdem wohnen wir praktisch im Schatten einer Kirche, wir sind an Lärm an Sonntagen gewöhnt, da bedeutet der fröhliche Folkloretanz mit Davul und Zurna eine willkommene Abwechslung.

Nachdem die Gäste getanzt, der Bräutigam die Braut abgeholt hat begibt sich die fröhliche Hochzeitsgesellschaft zu den Autos um im Corso aufzubrechen. Der Griesgram versucht noch einmal anzukommen und will wissen ob wir jetzt auch alle Kopftücher tragen sollen. Ich antworte ihm fröhlich, das wäre keine schlechte Idee, so manch einem verbrennt die Sonne sonst das Hirn und meine Oma hat auch öfter mal Kopftuch getragen. Dann flüchten wir schnell um dem vorbeifahrenden Brautpaar auf noch zu winken und ihnen Glück und einen schönen Tag zu wünschen.
Der Corso biegt unter lautem Hupkonzert ab und wir ziehen wieder heimwärts, etwas verzaubert von den fremdartigen Klängen.

Zurück bleibt ein kopfschüttelnder alter Mann auf einem Fahrrad, der vermutlich gerade seinen alten Zeiten vor 1945 nachtrauert…Gassibilder_1D4_0022-3

Mai 282018
 

Schießplatzheide_1D4_0113Der Festsaal war festlich geschmückt, viele Zuschauer hatten sich eingefunden, ganze Schulklassen warteten ungeduldig und aufgeregt darauf, dass die angekündigten Startenöre die Bühne betreten würden. Schießplatzheide_1D4_0067Schießplatzheide_1D4_0086
Leise setzte das Schwirren der Begleitmusik ein, Stille senkte sich über den Zuschauerraum, das Gemurmel und Gewisper der Zuschauer verstummte nach und nach. Schießplatzheide_1D4_0079Dann trat mit seiner klaren Spintotenor StimmeSchießplatzheide_1D4_0115 Lassfrü Mückiwecki auf die Bühne und eröffnete mit seiner Ouvertüre das Konzert. Sogleich begleitete Der Tenor Peter Froschquak die Melodie und beide Stimmen ergänzten sich meisterhaft im folgenden Duett.
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Inzwischen hatte der Countertenor Quakbert Krote das Schießplatzheide_1D4_0187Bühnenbild betreten und begeisterte mit seiner Arie das Publikum. Das anschließende Quartet zusammen mit dem Bariton Reqato Mismatschi riss da die Zuhörer förmlich von den Sitzen. Nach einer kurzen Pause setzte Quakbert den Vortrag mit seinem Couplet fort um gleich danach im Duett mit Mückiwecki zum berauschenden Finale in das sich wieder alle Sänger einstimmten den Vortrag zu einem berauschenden
Schießplatzheide_1D4_0251Abschluss zu bringen.

Nach einem kleinen Augenblick überwältigter Stille verließen die Künstler unter tosendem Applaus die Bühne.

Schießplatzheide_1D4_0214Schießplatzheide_1D4_0233

Okt 052017
 
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Am Anfang stand der Wunsch, einmal ein Leitzobjektiv zu haben.

Focotar_IMG_5286Der erste Versuch wurde ein ziemlich vermacktes Focotar, welches sich aufgrund der Verpilzung als unbrauchbar erwies. Dann war längere Zeit nichts, denn von Vergrößerungs- und sonstigen Fotofremden Objektiven hatte ich erst einmal die Nase voll. Richtige Kameraobjektive von Leica bewegen sich in Preisregionen, die mir für einen Versuch zu teuer waren.

Im September stieß ich auf eine Ebay-Anzeige an der ich einfach nicht vorbei kam. Für 25€ erstand ich aus ehemaligen Schulbeständen einen Diaprojektor Von Ernst Leitz, der späteren Firma Leica.
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Im Internet hatte ich schon öfter Bilder, die mit Projektionslinsen entstanden sind bewundert und so versuchte ich das Objektiv an die Canon zu bringen. Der erste Tiefschlag war das Gewinde. Das Objektiv steckt in einem Fokussiertubus, welcher statt des erwarteten M39 ein M52 Gewinde hatte. Für M39 hätte ich einen Adapter auf EF gehabt, M52 war nichts zu finden.
Was tun? Von anderen Versuchen besaß ich noch einen, selbstgedruckten Adapter mit einer Art Konus. Richtig, da passte das massive Gußgehäuse ran und ich konnte die ersten Testbilder aufnehmen.
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Ich war furchtbar enttäuscht – das war ja alles unbrauchbar! Keine Schärfe und durch Herausdrehen des Objektivs in der Fokussiereinrichtung war auch keine richtige Schärfe zu erreichen.
Durch den zusätzlichen Abstand meines Behelfsadapters war die Linse viel zu weit weg um Schärfe zu erzeugen. Durch die fehlende Blende hatte ich auch keine Möglichkeit durch abblenden Tiefenschärfe zu erzeugen.
TubusDer nächste Versuch sollte den Originaltubus näher an den Sensor bringen, doch auch die 20mm der rasch gedruckten EF-Zwischenringes waren noch zu weit, was nun?
Dimaron_IMG_7825Ich kramte meine wenigen Modellierkenntnisse zusammen und konstruierte in Tinkercad einen Tubus mit der passenden Länge, die ich vorher durch vorhalten des Objektives vor die Kamera grob bestimmte. Mein Tubus sollte eine Länge von 125mm haben. Diesen Tubus verschmolz ich mit einem importierten STL-Modelles eines Zwischenrings aus Thingiverse um mir auf einfache Art und Weise das EF-Bajonett zu besorgen.
Darin saß das Objektiv nun ziemlich fest, da Tinkercad nur sehr grobe Facetten exportiert. Aber nach längerem Abschleifen und Anpassen hatte ich einen Focussiertubus mit dem mir die ersten annehmbaren Aufnahmen gelangen.
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Dimaron_IMG_7827Durch die fehlende Blende hat das Objektiv zwar eine große Lichtstärke von 2,8 aber dafür so gut wie keine Tiefenschärfe. Bei einem Fokussierversuch bemerkte ich, dass ich wenn ich mit meinen Finger einen Teil des Objektives verdeckte, sehr viel mehr Tiefenschärfe bekam. Also vermaß ich das Objektiv und druckte mir eine Objektivkappe mit einem Loch. Damit hatte ich so etwas wie eine feste Blende. die erste Blendenkappe bestimmte ich eher nach Gefühl mit 30mm und das Ergebnis ging in die richtige Richtung. Über Wikipedia fand ich die Formel zur Berechnung der Blendenzahl und so entstand der Plan, eine Reihe von Blendenkappen zu drucken.
Doch schon bei der dritten Kappe fand ich das sehr umständlich.
Im 3D-Druckmodellverzeichnis Thingiverse hatte ich schon einmal Irisblenden als Dosenverschluss gesehen und so machte ich mich wieder auf die Suche, nach einer Blende. Im Steampunk Umfeld wurde ich fündig. Die Grundplatte dieses Modelles verschmolz ich wieder mit einer meiner Blendenkappen und heraus kam meine selbstgebaute Irsiblende mit einer Blende von ca. 4,8 – 22.Dimaron_IMG_0834
Damit konnte ich nun in einem Bereich zwischen ca. 10m und 1cm scharf stellen. Von den Bildern bin ich nun restlos begeistert.
Ich bin gespannt, wie sich das Objektiv im weiteren Einsatz macht. Als Erweiterung denke ich über eine genauere Focussierung mittels Zahnstangenantrieb und einem geteilten Tubus nach.
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Sep 102017
 
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Das Wetter ist bestenfalls als ungemütlich zu bezeichnen, Zeit die liegengebliebenen Bilder zu bearbeiten, Festplatte aufräumen, Fotobuch vom letzten Urlaub gestalten…

Stattdessen habe ich mich von vielen interessanten Bildern anstecken lassen und beschlossen, mein zweites Helios-Objektiv umzubauen. Helios-Frontlinsenmod nennt sich das und es gibt unzählige Anleitungen dafür. Eigentlich ist das ganz leicht und mein Objektiv lies sich leicht nach dieser Anleitung öffnen. Schnell war die Linse gedreht und es ging ab in den trüben, verregneten Herbstgarten. Nun ist das zwar nicht das beste Wetter um Bokeh-Bubbles zu sammeln, aber so etwas muss bei mir sofort ausprobiert werden.
Nun ist das Helios ja nicht als Schärfe-Wunder bekannt, aber die Effekte, die sich schon bei diesem trüben Regenwetterlich ergaben sind schon spektakulär. Die Bilder bekommen eine Weiche, die sich sonst nur mit vielen Flitern erreichen lässt.
Gleichzeitig konzentriert die umgedrehte Linse das gesamte Bild auf das Zentrum, die Bilder sind deshalb natürlich auch sehr zentriert.
Fazit: Ich werde zwar nicht immer so fotografieren, aber da ich zwei dieser russischen Objektive besitze, lasse ich eines im gemoddeten Zustand. Sicher ergeben sich damit öfter mal überraschende und schöne Effekte.

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Jun 072017
 

Katze, ich bin schwer enttäuscht und erschüttert. Vor einem Jahr hatte ich Dich kennengelernt; 3_IMG_8677Eine seröse, zufriedene friedlich schnurrende Katze. Der Liebling aller Leute und was ist aus Dir geworden? Sag mir warum???
Ist Dir der Ruhm zu Kopfe gestiegen, suchtest Du den Kick, den Adrenalistoß, warst Du des ruhigen satten Lebens überdrüssig? Glaubtest Du gar, als lokale Berühmtheit über den Gesetzen zu stehen? Ich muss sagen, ich bin am Boden zerstört und mein Vertrauen ist erschüttert.
Gab es denn nichts, was Dich hätte zurückhalten können? Wer denkt nun an die vielen vielen Fans, wenn sie davon erfahren – hast du überhaupt einen Gedanken an sie verschwendet? Ich fürchte, das Augsburger Kriseninterventionsteam wird überfordert sein. Konnte Dich denn nicht wenigstens diese kindliche Vertrautheit, der unschuldige Blick abhalten? Erschwerend kommt hinzu, dass ich das Opfer auch noch kannte. Gassibilder_IMG_5979Noch wenige Minuten vorher hatte es sich mir vertrauensvoll genähert um zu sehen, ob ich nicht Futter dabei hätte. Oder hatte es da schon geahnt, dass es von Dir verfolgt und bedroht wird und suchte Schutz und Hilfe bei mir? Ich mache mir deshalb selbst heftige Vorwürfe. Ich mag mir gar nicht ausmalen, welche Tumulte entstehen, wenn diese Tat auch noch rassistische Hintergründe hätte…
Bei Dir kann ich ja leider nicht behaupten, dass Du aus Hunger und Not gehandelt hättest, denn nur wenige Tage zuvor hast Du uns allen stolz gezeigt, wie gut Du von Deinem Frauchen versorgt wirst. Überhaupt – Dein Frauchen; Hast Du einen Gedanken daran verschwendet, wie enttäuscht sie sein wird, was Sie empfindet ob der offensichtlichen Missachtung ihrer Versuche, dich gut zu versorgen? War ein voller Bauch das wert?
Oder war es eine Beziehungstat – hast Du Dein Opfer womöglich nur entführt und eingekerkert und dann erst getötet, weil es Deine Liebe nicht erwiderte? Wie auch immer, Du wirst Unterstützung der juristischen Fakultät benötigen, sollte ich mich dazu durchringen, diese Bilder jemals auf Facebook zu veröffentlichen. Noch zögere ich und mag mir nicht ausmalen, was Deine ruchlose Tat bei den vielen unschuldigen Studenten auslösen könnte und dann denke ich mir wieder, ob ich damit möglicherweise einen gefährlichen Serienkiller decke?
Sei gewarnt, ich werde Dich weiter im Auge behalten!

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