Apr 092009
 

Nachdem ich am Samstag eher widerwillig gestartet bin war die Anfahrt doch recht kurzweilig. Nicht nur weil ich meine mitfahrenden Jngsten bei Ihrem ersten Dosenausflug begleitete…
Die Bahn war leidlich frei und der Verkehr hielt sich in angenehmen Grenzen.
Kurz vor Rottweil steht ein Schild an der A81: Naturpark Sdschwarzwald oder so hnlich. Dort fing es dann auch prompt zu regen an.

Glcklicherweise nicht so stark und mit immer wieder trockenen Abschnitten, so dass kein Tropfen durch das dicke Lederzeug meine winterlich bleiche Haut erreichte.

Irgendwo bei Tuningen berholte ich eine silberblaue (?), mit 2 Personen beladene K1200; Sollte das jemand aus dem Forum gewesen sein, bitte ich das respektlose Manver meiner kleinen K100 zu verzeihen; – Meine Shne hatten zwischenzeitlich entdeckt, dass das Gaspedal noch Spielraum nach 140km/h hatte und ich war mir nicht sicher, ob sie die richtige Ausfahrt bei Donaueschingen finden wrden.

Auf diesem Zubringer scheuchte mich dann auch hinterrcks ein seltsames Fahrzeug von der, eigentlich von mir gepachteten linken Spur.

Schwarz war das Fahrzeug mit allerlei weissem plastikzeugs ringsherum beklebt und ohne jegliche Beschriftung sah ich das porschehnliche Fahrzeug urpltzlich im Rckspiegel auftauchen und konnte gerade noch nach rechts weghuschen, da war es auch schon vorbei.

Vermutlich sind wir dem Erlknig begegnet:

Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Gar schne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch glden Gewand.

Wollen htte ich schon mgen, nur leider war diese Rakete viel zu schnell fr mich.

Runter von der Autobahn und auf der B317 konnten dann meine Jungs kennen lernen, wie es ist, eine Dose in kurvigem Gelnd‘ zu bewegen.

Glcklicherweise hatte ich meine Winterhandschuhe auch dabei, denn ab Titisee wurde es dann richtig kalt.

Feldberg im Regen, wenn neben der Strasse noch meterhoch der Schnee liegt macht keinen Spass. Das dachte sich wohl auch der eingeborene Harleyfahrer, dem ich ein Stck weit folgte, in der Hoffnung er wrde mir das Kurventempo vorgeben. Leider hatte der vermutlich nur im Sinn, wie er die Wasserflecken wieder vom Chrom bekommt und so musste ich ihn dann irgendwann hinter mir lassen. Starker Niselregen, nasse, glitschige Bitumenlngsstreifen und Klte trieben mich schnell die Berg hinunter in’s Wiesental und ab Zell / Schnau wurde es dann auch wieder trocken.

Insgesamt hat sie tatschlich doch Spass gemacht, meine erste grere Ausfahrt in diesem Jahr und ich nahm mir vor, den Heimweg ohne Dosenbegleitung zu machen.

Der Sonntag war per Regierungsdekret motorradfrei und dem Familienereignis vorbehalten. Nicht einmal zum Tatort durfte ich mit der K fahren.
Dies hatte ich zhneknirschend und mit Hinblick auf sptere, lohnendere Genehmigungsaktionen akzeptiert.
Was dann aber folgte, kann man nur unter „verschrfte Folter“ einordnen.

Bei schnem Wetter – es regnete dort tatschlich nicht! – bekam ich einen Tisch, mit direkter Aussicht auf eine der schnsten Kurven, die ich im Schwarzwald bisher gesehen habe.

Direkt im Scheitelpunkt lag die Gaststtte „zum frhlichen Landmann“ (auch „happy Agrarkonom“ genannt).
Mein Platz war am Tisch direkt vor dem Fenster und ich musste den ganzen Nachmittag lang Heerscharen von Bikern beim durchgleiten der Kurve zusehen.

Ich trstete mich mit einer kurzen Sonntagabendrunde, die ich mir fest vorgenommen hatte. Auf dem Nachhauseweg fing es dann deshalb wohl auch wieder frchterlich zu schtten an…

Montag vormittags, gerstet mit bestem Wetter und vollem Tank breche ich auf, mit dem festen Vorsatz, nicht den krzesten Weg nach hause zu fahren.

Nur wohin, wenn die Auswahl so gro ist? Irgendwie ist mir nach „Abenteuer“ und so biege ich bei Utzenfeld ohne Karte, Routenplaner Handy oder gar Navi Richtung Mnstertal ab. Eine gut Wahl, wie ich finde obwohl es nun mit jedem Hhenmeter deutlich frischer wird, trotz Frhlingssonne.

Kurz nach dem „Wiedener Eck“ bei der Abfahrt ins Mnstertal passiert es dann. Ich muss sagen, die – vielleicht gutgemeinten Warnschilder mit dem Hinweis auf die Anzahl der Verletzten und getteten Motorradfahrer hat auf mich eine eher verunsichernde Wirkung und ich fahre ohne solche Schilder wesentlich sicherer.

Trotzdem nehme ich den Abstieg in’s Mnstertal unter die Rder und es kommt unweigerlich, wie es kommen musste.
Schon ganz oben passiert es:

Die nchste Schnapszahl ist voll!

Die Abfahrt ist wirklich sehenswert und ich bin, am Montag Mittags fast der einzige Verkehrsteilnehmer.

An einer der unzhligen Kurven, in der Nhe des vorderen und hinteren Elends (warum die Orte wohl diesen Namen bekommen haben?) dann das Schild nach Stohren ber den Notschrei. Von dieser Strecke habe ich schon gehrt und der Hinweis „an Sonn- und Feiertagen fr Kraftrder gesperrt“ animiert mich dazu, nochmals die eisigen Schwarzwaldhhen zu erklimmen.

Nur ein einsames Postauto strt meine Auffahrt und in Giehbel beschliesse ich, auch noch den Schauinsland mitzunehmen und auf der Sonnenseite des Schwarzwaldes Richtung Kirchzarten meinen Weg zu suchen.

Auf der Passhhe biege ich in Richtung Kirchzarten ab und habe an diesem Tag die erste Begegnung mit einem Lastwagen, der teilweise in den Spitzkehren 2 mal rangieren muss um die Kurve zu kriegen.

Von Kirchzarten aus fllt die Wahl schwer. Ich mchte noch bei Tageslicht heimkommen, aber irgendwie fehlt mir die Lust, jetzt schon Richtung Heimat einzuschwenken und durch’s Hllental die B317 anzusteuern.
Bis Freiburg hatte ich den Schwarzwald schon oft unter den Rdern – damals mit der Dose auf Montage. Der Hochschwarzwald dagegen lockt mit Namen wie Triberg, St. Georgen, St. Peter… Moment! St. Peter? davon habe ich noch gar nichts gehrt. Das kann kein kleines Nest sein, wenn es 35km vorher schon angeschrieben ist.

Wagemutig biege ich in die angezeigte Richtung ab und fahre abwechselnd durch kleine Schwarzwalddrfer und hohe Wlder. Die Strassen sind angenehm kurvig, aber lange nicht so anspruchsvoll wie das Belchengebiet – also genau richtig um meine winterlich angestaubten Knochen nunmehr nicht weiter berzustrapazieren.

St. Peter entpuppt sich als ein Kloster mit angeschlossenem Ort. 1093 gegrndet, wie ich spter in Wikipedia nachlese und berragt von einer imposanten Klosterkirche, die auf mich irgendwie berdimensioniert wirkt.

Mglicherweise htte ich als kultivierter Mensch hier verweilen sollen und mir zumindestens den Innenraum ansehen, aber mich zieht es weiter.

Nicht weit davon steht an der Strasse ein unscheinbares braunes Schild mit der Aufschrift Kandel. Es weist in die gleiche Richtung wie die Wegweisung nach Waldkirch.
Irgendwann hatte ich mal einen leckeren Waldkirchener Sptburgunder und ich nehme mir vor, diesem freundlichen Ort einen Besuch abzustatten. Wo es so guten Wein hat, muss es auch freundliche Menschen geben!

Zwischen Waldkirch und St. Peter befindet sich dieser mysterise Ort Kandel und etliche Meter angenehm gewundener Strasse durch duftende Wlder. Die Lokation erweist sich wieder einmal als Passhhe und stellt die hchste Erhebung im mittleren Schwarzwald dar, wie meine spteren Recherchen ergeben.
Htte ich meinen Schlitten im Gepck, wre eine Rodeltour noch mglich gewesen.

Von dort oben hat man einen sagenhaften Ausblick, leider war es sehr dunstig und so setze ich meinen Weg Richtung Waldkirch fort.
Die Strecke vom Kandel nach Waldkirch soll bei Radfahrern sehr beliebt sein und tatschlich begegnen mir auch einige, die diese Strasse bergauf hasten. Wobei Strasse eine ziemlich grozgige Bezeichnung fr dieses Meisterwerk Baden-Wrtembergischer Baukunst ist. Gebaut nach dem Motto „Vieli Fleck ghn au e Stroo“ kann das eigentlich nur eine Art Notausgang sein.

Hier hat auch ein naher Verwandter unserer K’s eines seiner letzten Rckzugsbiotope: Das Fichtenmoped!
Mit Biberhnlichen Bauten richtet es sich in den Wldern nach seinem ureignen Geschmack ein. Die Anzahl der Knickfichten beweist, dass die Population noch lange nicht ausgerottet ist.

Unten im Tal grt mich die Kastelburg von der gegenberliegenden Bergflanke.


Hier ist es nun endgltig Frhling und Bschel von „Himmelsschlsseli“ im Wald wechseln sich mit Narzissen und Forsythien in den Ortschaften ab.
Die ersten Fluginsekten verabreden sich mit meinem Visier zu spontanen Verbrderungsfesten. Wie ich kurz darauf vernehme, sollen viele davon ein echter Knaller gewesen sein!

Hier gibt es vorerst keine steilen Bergstrecken mehr und ich folge nun dem gewundenen, weidenbewachsenem Lauf der Kinzig in eines der grten Schwarzwaldtler.

Nachdem ich kurz vorher erwog, dem Glottertal einen Besuch abzustatten lockt mich nun doch die Wegweisung nach Freudenstatt noch ein letztes Mal auf die Hhen des Schwarzwaldes.
Freudenstadt – den Namen kenne ich von der A81 und das ist die Richtung, in die ich letztendlich auch hinmuss. Tatschlich steht auch schon bald ein Autobahnzeichen auf der Wegweisung, welcher ich in gemchlichem Tempo folge.

Gemchlich deshalb, weil mit einem Mal das Verkehrsaufkommen, speziell der groen Brummi’s gewaltig angestiegen ist.
Ich konnte trotz angestrengtem Nachforschens immer noch nicht herausfinden, welchen Sinn es hat, aus der Rheinebene gewaltige Baumstmme hinauf in den Schwarzwald zu karren.
Vor Allem weil diese Stmme entrindet und entastet waren.

Htten sie noch ihr Nadelkleid und Wurzeln gehabt wrde ich vermuten, dass hier der Schwarzwald fr Touristen mit Baumriesen aufgeforstet wird, aber so muss ich schlussendlich vermuten, dass es mir durch Zufall gelungen ist einen der geheimnisvollen Langholzschmugglerwege der Eingeborenen zu entdecken.

Trotzdem macht die langsam ansteigende Strecke durch Ortschaften wie Gengenbach, Wolfach oder Schiltach Spass.

95km zieht sich das Tal insgesamt durch den Schwarzwald und soll schon in rmischer Zeit ein bedeutender Verkehrsweg gewesen sein, wie ein beschrifteter Mauerrest auf einer der pestartig berall anwachsenden Kreisverkehrsinseln behauptet.

Mit Schramberg erreiche ich dann wieder die Hhe des Schwarzwaldes und Namen wie z.B. Junghans erinnern mich daran, dass ich in der Fnftlerstadt im Reich der Tftler und Erfinder bin.

Bald schon endet der bergige Teil des Schwarzwaldes und die Gegen verwandelt sich in ein sanft geschwungenes Auf und Ab kleiner Hgel, whrend ich Richtung Rottweil fahre. Noch ein kurzer Stop fr ein letztes Foto ber die Schulter am Strassenrand.

Lustigerweise bin ich nicht der einzige Fototourist hier, vor mir parkt ein weisser Passat aus Karlsruhe. Durch die abgedunkelten Scheiben kann ich vage eine beeindruckende Fotoausrstung entdecken und whrend ich einen Schluck Wasser aus meinem Tankrucksack trinke, gelingt dem Kameraden ein geglckter Schnappschuss eines vorbeirasenden LKW’s.

„Weidmannsheil, Kollege“ denke ich schadenfroh, whrend ich meinen Helm fr die nun folgende Autobahnstrecke festzurre.

Ob wohl der Rest der Familie mit der Dose schon zuhause ist? Mglicherweise, aber sicher war deren Strecke lange nicht so schn wie meine. Auf dem Rasthof Schnbrunn gnne ich mir noch ein leckeres Mittagessen und meiner K einige Liter Sprudel.

Wrend ich auf der Terasse meinen Espresso schlrfe, biegt ein rotes Auto mit Augsburger Kennzeichen in eine der Parkbuchten ein. – Familienzusammenfhrung, insgeheim grinse ich; Ich werde doch Erster in der Heimat sein.

  One Response to “Meine private Saisoneröffnung”

  1. Sehr schner Bericht. Da ich gerade Fhrerschein mache, freue ich mich schon auf genau solche Ausfahrten. Du hast es geschaft meine Ungeduld noch zu steigern.

    Viele Gre
    gottie

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